Zwei Tage in Vaasa waren wirklich genug.
Der Wind ist auch wieder da und so konnte endlich wieder gesegelt werden.
Ich bin froh, den Wind wieder um die Nase geweht zu bekommen und die frische Seeluft zu atmen.
Heute bin ich in Klubbskat gelandet. Ein Zwischenstopp zurück auf dem Weg an die schwedische Ostküste. Erst wollte ich direkt rüberfahren, aber wegen Starkwindwarnung und fehlender Winddrehung musste ich hier Halt machen.
Die Anfahrt…puh…war mehr als spannend; regelrecht gezittert hab ich. Es fehlte leider jegliche Betonnung und die Peilmarken, die in der Seekarte eingezeichnet waren, konnte ich auch nicht entdecken……wenn es zwei Meter von einem entfernt plötzlich hellgrün unter der Wasseroberfläche schimmert, wird einem doch ganz anders. Zum Glück habe ich den Unterwasserfelsen noch rechtzeitig gesehen.

Zurück zu Vaasa. Ich empfand die Stadt als angenehm, in der man es wohl aushalten könnte.
Und vor Vaasa im Meer liegt das Schärengebiet Kvarken, welches ich mir unbedingt ansehen wollte. Zusammen mit der Hohen Küste (Höga Kusten) in Schweden bildet es ein Unseco-Weltnaturerbe und sollte besichtigt werden. Die Verlockung war groß, dort mit dem eigenen Boot hinzufahren und alles aus nächster Nähe zu betrachten. Ein Blick in die Seekarte brachte aber heraus, dass es wohl sicherer ist, dies nicht zu tun. Sehr flach und übersäht mit Über- und Unterwassersteinen ist das Seegebiet dort. Dies bestätigten auch Gespräche mit den Finnen, die dort meistens nur mit den nicht tiefgehenden Motorbooten hinfahren.
So haben wir uns kurzerhand eine Fremdenführerin organisiert, die uns in ihrem eigenen Auto dort hinkutschiert hat und uns im perfekten Deutsch alles Wissenswerte über die Kvarken und die Finnen und die finnische Geschichte im allgemeinen erzählt hat. Eine super Sache. Es war sehr informativ, nett und unkompliziert. Sie erzählte ununterbrochen und beantwortete all unsere Fragen.

Die Kvarken sind Schären, also Inseln, die nach der Eiszeit aufgrund der Schrumpfung des Eises entstanden sind. In der Eiszeit war dort das Eis wohl 3 Kilometer dick (!), was natürlich einen unheimlichen Druck auf die Erde ausgeübt hat. Durch das Abtaucen des Eispanzers bildeten sich all die kleinen Inseln. In den Kvarken kann man dieses Abtauen regelrecht verfolgen, denn jedes Jahr wächst das Land dort um 1 cm. Dadurch verändert sich das Gebiet ständig und nach und nach enstehen neue Inseln im Wasser. Häuser, die vor 40-50 Jahren noch direkten Strandzugang hatten, liegen nun völlig von Land umgeben.
Mitten drin liegen die De-Geer-Moränen, die sich waschbrettartig aus dem Wasser erheben. Wir haben einen Holztumr bestiegen, von dem man aus die vielseitigen Moränenformationen richtig gut sehen konnte. Sehr beeindruckend.
Der alte Hafen im Kvarkengebiet musste aufgegeben werden, weil er nicht mehr gefahrlos mit dem Boot zu erreichen war. Auch der danach angelegte Hafen Svedjehamn kann jetzt nur noch mit kleinen Booten angelaufen werden und so wurde bereits ein neuer dritter Hafen gebaut.

Moränenlandschaft:
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Seltene Tiere leben auch hier, wie zum Beispiel dieser Vogel, den ich leider nicht persönlich zu Gesicht bekam. Schade….
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Und diese Rinder oder Büffel halten das Schilf fern:
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Unterwegs konnte ich sehr leckere wilde Erdbeeren und Blaubeeren pflücken:
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An den Straßen sieht man auch sehr gut die waschbrettartige, wellenartige Landschaft:
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Dieses Haus wurde direkt am Wasser gebaut. Dort, wo der rote Zaun ist, war früher die Strandlinie:
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Der alte Hafen, jetzt fast im Land verschwunden:
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genauso, wie alte Seezeichen:
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Wirklich interessant.
So, jetzt sitze ich hier im Cockpit, lass mir die Sonne ins Gesicht scheinen, und muss gleich mal schauen, wann ein günstiger Zeitpunkt ist für die Überfahrt. Hoffentlich klappt es morgen…

Ach übrigens:
In Finnland und sowieso in ganz Skandinavien ist es unheimlich schwer, gutes Brot zu bekommen bzw. Brot, wie wir aus Deutschland kennen und wie es nach meinem Geschmack ist. So haben wir die Fremdenführerin mal gefragt, was denn die Finnen so zum Frühstück essen. Als Antwort kam: Haferflocken mit heißem Wasser aufgekocht oder überbrüht; dazu Milch oder Obst oder ähnliches.
Gestern abend habe ich mir dann – in Ermangelung besagten Brotes – eine Packung Haferflocken (die guten, mit getrockneten Himbeeren versetzt), gekauft, und die gab es heute morgen zum Frühstücck. War lecker…
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Heute zeige ich hier eine Premiere .. 😉
Ein Video von mir: Auf der Fahrt nach Klubbskat habe ich mich mal beim Wendemanöver gefilmt.
Wen’s interessiert, kann ja mal reinschauen:

 

Fazit: 31 Seemeilen (24 unter Segel, 7 unter Motor)
Gesamt: 1386 sm


Kommentare

Nach Klubbskat…(Update mit neuem Video) — 3 Kommentare

  1. Tauchen diese Vögel ihre Läufe morgens immer in einen Farbtopf mit mohnroter Farbe, oder? Sieht fast danach aus… sehr extravagant jedenfalls. ;))

  2. Da hat sich mein letzter Kommentar genau mit deinem neuen Eintrag überschnitten. ich hoffe, er geht trotzdem nicht unter.

    Das gute Porridge esse ich beim segeln übrigens auch außerhalb von Finnland sehr gerne. Schnell gemacht, abwechslungsreich und lecker 🙂 Nur das spülen ist teilwese etwas mehr Aufwand…

    • Ach, ist dieser Haferbrei Porridge? Wusste ich gar nicht…
      Nun gut. Es war lecker, aber das mit dem Abwaschen stimmt, das habe ich heute nachmittag gemerkt…lieber direkt erledigen nud nicht Stunden später…;)

      Zur Nachfrage, wo die Reise noch hingehen soll:
      Ja, .. Richtung Süden nach Stockholm und dann durch den Götakanal und über Göteborg zur Flensburger Förde als Zielpunkt.

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