Adjö Sverige, hej Danmark!
Nachdem ich mich gestern mit einem tollen, wenn auch kurzen, Segeltag von den Schären verabschiedet habe, habe ich mich heute zur dänischen Küsten aufgemacht. Ja, gestern war nochmal so ein genialer Tag, wo ich mit bestem Wind durch die Felsen kurven konnte. Wahnsinn. Es macht einfach Spaß und ist ein erhabenes Gefühl. Schade, dass die Schären so weit weg sind…
Aber ich muss ja nun irgendwann auch mal wieder nach Hause und da versprach der heutige Tag ein günstiger Moment zu sein, die dänische Küste zu erreichen. Süd bis Südostwind waren angesagt mit moderaten 3-4 bft; morgen soll es wieder auf West drehen. Regen sollte es auch keinen geben; allerdings hatte ich nicht bedacht, dass der Himmel ja auch mal bedeckt bis diesig bis nebelig sein könnte. Eigentlich wollte ich früh los, damit ich genügend Zeitreserve für den längeren Schlag hatte. Aber als ich um 6 heute früh aus dem Fenster sah, konnte ich nichtmal die nahen Felsen bei Marstrand erblicken. Hm, Mist. Ich legte mich nochmal schlafen und machte dann um sieben einen Spaziergang auf eine kleine Anhöhe, wo ich aufs Meer und die vorgelagerten Inseln rausschauen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass die Sicht besser wurde. Und so war es auch, es klarte sich zusehends auf. Also schnell gefrühstückt und dann los. Super war die Sicht nicht, aber irgendwie musste ich doch heute rüber. Extrem hoch am Wind segelte ich anfangs; dann drehte der Wind etwas und ich konnte gut am Wind auf direktem Kurs segeln. Auch die Sonne schaffte die ein oder andere Lücke in den bedeckten Himmel zu reißen. Alles gut. So fuhr ich dahin. Kein Schiff weit und breit, ich war aber auch noch weit weg den beiden vielbefahrenen Großschifffahrstwegen Route B und T, die dicht an Skagen vorbeiführten. Diese musste ich noch queren. Ein mulmiges Gefühl hatte ich, denn der Himmel zog sich vor mir wieder zu. Jetzt bitte keinen Nebel! Hatte ich doch kein AIS an Bord, womit ich die Riesen und ihre Wege sehen könnte. Als ich eigentlich noch ca. 2 Seemeilen von der ersten Route weg war, tauchte im Dunst der erste Tanker auf. Für mein Empfinden viel zu früh und viel zu nah. So bald hatte ich noch nicht mit denen gerechnet, aber jetzt half es nichts, ich musste mich hindurchkämpfen. Die nächste Stunde wurde gruselig. Ich fühlte mich wie ein Fußgänger, der eine 4-spurige Autobahn ohne Mittelstreifen überqueren musste. Viel zu viele Schiffe, die viel zu nahe daherkamen. Obwohl ich den Motor angeschmissen hatte, kroch ich nur mit 5 kn dahin. Der lästige Gegenstrom, den ich seit der Hälfte des Weges mit ca. 1-2 kn gegenan hatte, machte die Sache nicht besser. Alle paar Sekunden schaute ich mich hektisch nach allen Seiten um und versuchte am unscharfen Horizont irgendeine Kontur auszumachen. Wenn ich dann was kommen sah, war es meistens nicht mehr weit entfernt. Ein Mist war das. Die Sicht betrug schätzungsweise 1 sm. Heilfroh war ich, als ich kurz vor Skagen in flacheres Wasser kam. Bei 10 m Wassertiefe würde doch kein Tanker herumfahren? Aber trotzdem sah ich gleich eine ganze Gruppe eng beisammen schemenhaft am Horizont. Was war das denn jetzt? Mir war nicht wohl. Kamen die jetzt alle auf mich zu? Nein! Zum Glück war dem nicht so. Sie lagen alle vor Anker. Puh…
Wirklich erleichtert war ich dann, als ich im Hafen fest lag. So was muss man nicht alle Tage haben…
Ansonsten war die Überfahrt aber sehr schön mit angenehmen Bedingungen und keiner hohen Welle. So habe ich also heute das Skagerrak gequert und bin im Kattegat gelandet. Es war schön, dass Meer auch mal wieder ruhig und ohne Schaumkronen zu sehen.
Gegen abend bin ich dann noch zur Nordspitze von Dänemark gefahren, genau dorthin, wo sich Nord- und Ostsee treffen. Wie anders die Küste doch hier ist. Sand, Sand, Sand, lang und flach mit vielen Dünen. Die Sonne schien, der Himmel war wieder blau. Was will man mehr?

Die letzten Schären:
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Und heute am Ende von Kontinentaleuropa angekommen:
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Zu gerne wäre ich mit einem Fuß in der Nord- und mit dem anderen in der Ostsee gestanden. Leider versperrten diese drei mir den Weg:
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Wenn einer mal kleine Steine gebraucht.. hier gibt’s die….
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Der Sonnenuntergang war auch mal wieder sehr schön…
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Mal so nebenbei:
In Möllosund machte ich Bekanntschaft mit einigen kleinen Spatzen. Sie waren so aufdringlich und unverfroren, dass sie zu mehreren mein Cockpit belagerten und sich überall nieder ließen. Auf den Seilen, der Reling, den Bänken. Einer war sogar so frech, er wagte sich, als ich kurz mal das Boot verlassen hatte – das Schott offen – hinunter in die Kajüte. Unglaublich! Und was tat er? Er kackte dort auf meine Polster. Also wirklich. Der war wohl sauer, dass er unten keinen einzigen Krümel finden konnte. Ts…
Suchbild. Wie viele Spatzen sind hier allein zu sehen?
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So, nun bin ich gespannt auf die dänsiche Küste und hoffe auf angenehme Segelbedingungen.

Fazit: 93 Seemeilen
Gesamt: 2512 sm


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Über Ankerbuchten, Mollösund und Marstrand nach Skagen… — Keine Kommentare

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