Lohusalu in Estland!
Wie bin ich denn nun hier hin gekommen? Eigentlich wollte ich doch nach Helsinki?
Nun ja, meine im Schap liegende Gastlandflagge von Estland wollte einfach auch mal unter der Saling im Wind flattern. Das Jammern war ja nicht mehr zu ertragen…;)
Das hat sie nun davon:
DSC02731Also, … Helsinki möchte ich schon noch anlaufen, mache aber nun einen „kleinen“ Umweg über Tallinn (wenn alles gut läuft).
Eigentlich wollte ich ja von Öland über Gotland nach Estland. Aber da war vor drei Wochen noch die ganze Breite der Ostsee von 85 sm dazwischen und das Wetter einfach zu schlecht für diesen langen Schlag.
Jetzt jedoch waren die Wetterbedingungen einfach zu verlockend, doch noch rüber zu fahren.
Und es wurde eine traumhafte Überfahrt. Davon gleich mehr.

Von Rosala bin ich zuerst nach Hanko gesegelt. Vorgestern war das. Es war eine graue, diesige und unspektakuläre Fahrt durch die Schären in eine ebenso trübe und trostlose Stadt. Ich hatte von Hanko, dem Segelzentrum Finnlands mehr erwartet. Am Hafen war absolut nichts los und die übrige Stadt und die Fußgängerzone wirkten geradezu stalinistisch. Zum davonlaufen.
Also schnell die Seekarten herausgekramt, um die nächste Route zu planen und dazu das Wetter gecheckt. Da zeigte sich: Es waren perfekte Bedingungen, um „rüberzumachen“.
Am nächsten Morgen sollte es schon früh losgehen, da ja ein langer Tag mit ca. 45 sm bevorstand.
Als ich gestern jedoch um 7 Uhr aus der Luke schaute, war nicht mal die Hafenmole zu sehen.
Eine riesige dicke Nebelbank lag über der Stadt und der Küste. Rausfahren wäre jetzt wirklich gefährlich gewesen. Hm, ich legte mich nochmal hin.
Und wartete… und wartete… Mittlerweile war es Mittag geworden. 13 Uhr. Immernoch war die Sicht nicht besser. Von den auslaufenden Fähren „sah“ man nur das laute Hupen der Nebelhörner. Sonst nichts. Irgendwie gespenstisch.
Mit der Zeit jedoch wurde es lichter. Die Sonne kam sogar heraus und verdrängte den Nebel. Langsam waren wieder Konturen der umliegenden Küste auszumachen. Puh, …aber mittlerweile war es fast 16 Uhr. Jetzt noch losfahren? Das würde eine Nachtfahrt bedeuten.
Aber warum nicht? Die kommende Nacht sollte fast die längste des Jahres sein, … und … es war noch Vollmond dazu! Hier oben ist es nachts ja sowieso fast nicht dunkel. Die Sonne geht irgendwann gegen 24 Uhr unter und ist um 3 schon wieder da. 🙂
Einfach herrlich!
Und so wurde auch die Überfahrt. Traumbedingungen! Fast wolkenloser Himmel, fast Halbwindkurs mit um die 3-4 bft.

Die Fahrt war zwar lang und auch anstrengend, aber wirklich wunderschön. Auf einen herrlichen Sonnenuntergang folgte kurze Zeit später ein atemberaubender Mondaufgang. Geradezu majestätisch hob sich der gelb-organge-rote Vollmond am Horizont genau vor mir aus dem Wasser empor. Unbeschreiblich!
(Leider konnte ich keine guten Bilder von diesem einzigartigen Naturschauspiel machen. Das Boot schaukelte in den 1-2 Meter hohen Wellen zu sehr und es war schwierig, die Kamera ruhig zu halten für ein scharfes Bild.)
Nachdem der Mond aufgegangen war, hatte ich noch ungefähr 2 Stunden zu segeln. Schön war es auf dem Wasser. Und bald tauchte auch schon die Küstenlinie auf.
Die Anfahrt in den Hafen war risikolos (auch nachts) und einfach ohne schwierige Betonnung. Ein Richtfeuer weiste den Weg und ich glitt lautlos in den angenehm windstillen Hafen.
Man mag es kaum glauben: Aber um 2 Uhr nachts tauchte der Hafenmeister auf und nahm meine Vorleinen an! Weiterhin kaum zu glauben: Flugs darauf hisste er als Zeichen, dass nun deutsche Boote im Hafen lagen, die deutsche Flagge!
Das ist mal eine Begrüßung.
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Erschöpft, aber glücklich fiel ich in die Koje.

Heute ist in Estland ein nationaler Feiertag (Tag des Sieges (Estlands über Deutschland)) und dieser wird gleichzeitig mit dem Mitsommernachtsfest gefeiert. Hier in Lohusalu wird dazu hier direkt am Hafen eine großes Feuer entzündet und eine fröhliche Party gefeiert.
Ich bin gespannt….

Der Hafen in Lohusalu liegt an einer schönen Bucht…

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…mit Sandstrand

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Am Morgen ist der Hafen noch schön leer…

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Am Abend wird meine Heckboje noch von zwei weiteren Booten genutzt … ups…

 

 

Bilder von der Überfahrt:

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Die Aida kenne ich schon aus Hamburg…

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Einem komischen extrem langsamem Schleppverband galt es auszuweichen…

 

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Sonnenuntergang und der Himmel…

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wurde rot…

 

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Vollmondaufgang…

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Vollmond (leider verwackelt)

 

Fazit: 70 Seemeilen (64 unter Segel, 6 unter Motor)
Gesamt: 915 sm


Kommentare

Über Hanko nach Lohusalu (Estland)… — 1 Kommentar

  1. Mein Gott, was für ein fulminanter Mond! – Und danke für die amüsanten Beschreibungen zwecks „Flucht aus Hanko“. :))

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